Kultkomplott – Back2TheRuth

Nun, man konnte sich schon vor Jahrzehnte herzlich streiten, ob es denn nötig sei, manch dürftigen Schlager der 1920er Jahre von Musikern wie Chet Baker, Tommy Dorsey oder Sonny Rollins aufzupeppen. Doch die Jahre gaben den Instrumentalisten recht. Denn aus vielen dieser damals eingängigen Melodien sind zeitlose Standards des Jazz geworden – die noch heute mit größter Konzentration und mit Anspruch gespielt werden. Die Augsburger Cellistin Ruth Maria Rossel hat sich für ihr zweites Album „Back 2 The Ruth“ ebensolche Paradenummern (der Neuzeit) herausgepickt. Nur improvisiert sie nicht über Hits von Astor Piazzolla, Ed Sheeran oder George Michael, sondern gibt ihnen eine völlig neue musikalische Form. So klingen „Libertango“, „Shape Of You“ oder „Last Christmas“ bei der Cellistin zwar noch immer vertraut, doch gleichzeitig auch wieder stark alternierend. Nicht eben neu – aber irgendwie re-restauriert. Ruth Maria Rossel bringt eine neue Farbe in diese und ihre eigenen Songs. Das Violoncello schlägt bei ihr Brücken, dreht sich weg von einer seligmachenden Virtuosität und seinem wunderbar weichen und warmen Klang. Sie nutzt hierfür ein beeindruckendes elektronisches Equipment (das heutzutage schon in einen kleinen Handkoffer passt) und begegnet der Musik mit einem electro-Pop ähnlichem Ansatz. Manchmal erinnert das schon sehr an die 1980er Jahre. Aber auf diese Art wird aus dem altehrwürdigen Streichinstrument eine Art Gebrauchsgegenstand im positiven Sinn. Der Respekt vor der Tradition ist geblieben, aber er lässt keine Hörer erstarren, macht eher neugierig, bringt altgediente und autoritär gepackte Schubladen fröhlich durcheinander. Man hört förmlich, wie junge Menschen nach „Back 2 The Ruth“ sagen: Ich wünsche mir zu Weihnachten auch so ein Cello. Alfred Esser
Ruth Maria Rossel „Back 2 The Ruth“ MusicJustMusic / Galileo